Konzert Paolo Pandolfo und das Vokalensemble La Pedrina begeistern bei den Freunden Alter Musik Basel
von Jenny Berg
Es ist voll in der Predigerkirche, wie so oft, wenn die Freunde Alter Musik zum Konzert laden. Doch diesmal ist es besonders aussichtslos, einen Platz im Hauptschiff zu ergattern: Nicht nur, weil mit Paolo Pandolfo der derzeit innovativste Gambist auf dem Podium steht, sondern auch, weil zahlreiche Forschende und Alte- Musik-Fans aus aller Welt in dieser Woche nach Basel gekommen sind. Denn die Schola Cantorum hat wieder einmal ein attraktives Päckchen geschnürt für all jene, die die neuesten Forschungserkenntnisse aus der historisch informierten Aufführungspraxis aus erster Hand erfahren wollten.
Konzert Paolo Pandolfo und das Vokalensemble La Pedrina begeistern bei den Freunden Alter Musik Basel
von Jenny Berg
Es ist voll in der Predigerkirche, wie so oft, wenn die Freunde Alter Musik zum Konzert laden. Doch diesmal ist es besonders aussichtslos, einen Platz im Hauptschiff zu ergattern: Nicht nur, weil mit Paolo Pandolfo der derzeit innovativste Gambist auf dem Podium steht, sondern auch, weil zahlreiche Forschende und Alte- Musik-Fans aus aller Welt in dieser Woche nach Basel gekommen sind. Denn die Schola Cantorum hat wieder einmal ein attraktives Päckchen geschnürt für all jene, die die neuesten Forschungserkenntnisse aus der historisch informierten Aufführungspraxis aus erster Hand erfahren wollten.
Aber der Reihe nach: Die Musikwoche beginnt am Mittwoch mit einem Studientag zur Viola bastarda. Über 120 Interessierte folgen im Zunftsaal des Schmiedenhofs den Vorträgen der Forscherinnen und Musiker. Noch weiss niemand ganz genau, wie die Viola bastarda im Italien des 16. und 17. Jahrhunderts wirklich ausgesehen hat; ob es sich dabei eher um eine kleinere, oder gar eine grössere Viola da Gamba handelt. Denn die Viola bastarda spielt im Ensemble virtuose Verzierungen, die durch alle anderen Melodielinien hindurchwandern – vom tiefen Bass bis zum hohen Diskant. Letzteres wäre auf einem kleineren Instrument einfacher, Ersteres auf einem Grösseren.
Die Schola Cantorum setzt in ihrem Forschungsprojekt nun auf einen Kompromiss, und wie dieser erste Nachbau klingt, kann man nicht nur am Studientag, sondern auch beim Konzert am Freitagabend bei den Freunden Alter Musik hören.
Athletische Verzierungen
Gleich das erste Stück, eine Toccata von Francesco Bassani, spielt Paolo Pandolfo auf diesem neuen Instrument. Hell klingt es, tragend und sonor. Doch die mehr als 300 Jahre alte Viola da Gamba, auf die Pandolfo im Anschluss wechselt, hat einen weitaus grösseren Charme. Weich und strahlend zugleich, durchdringend bis zum leisesten Pianissimo, füllt sie den gesamten Raum der vollbesetzten Predigerkirche.
Die athletischen Verzierungen der Viola bastarda-Diminutionen, die mit halsbrecherisch schnellen Läufen die Melodien der damaligen Hits auffüllt, bereiten Pandolfo keine Mühe – vielmehr ist er einer der wenigen Interpreten, der ihnen in all dem Notengetümmel eine Struktur zu geben vermag. Die Melodielinien sind stets klar – was auch der schlüssigen Konzertdramaturgie zu verdanken ist. Da die Musik für Viola bastarda auf vokalen Vorlagen beruht, werden sie hier stets vor der instrumentalen Version gesungen – wunderbar klar und homogen vom Ensemble La Pedrina. Lebendig und sehr textbezogen erzählen sie singend von den süssen Erinnerungen in Pierre Sandrins «Doulce memoire», von der Anbahnung eines Liebesspiels in Thomas Crecquillons «Ung gay berger».
Und um die Akustik der Kirche voll auszukosten, positionieren sich die Sänger stets an anderen Stellen: Im geheimnisvoll dunklen Chor, auf der Orgelempore, und mitten zwischen den Zuhörenden. Und dass Paolo Pandolfo manche Stücke an diesem Abend frei improvisiert, das kann man nur auf Nachfrage herausfinden – so echt klingen seine eigenen Improvisationen, so frei sein Spiel ab Noten.
Ein neues altes Instrument
Tags darauf geht es für die Forscher und Musikfans weiter im dreitägigen Symposium «Stimme – Instrument – Vokalität », das sich der menschlichen Stimme als stetes Vorbild für die Instrumentalmusik aller Stile und Jahrhunderte widmet. Hier sind unter anderem die ersten Töne eines exklusiven neuen Nachbaus zu erleben: des Arciorganos, einer enharmonischen Orgel mit 36 Tasten pro Oktave (statt der normalen zwölf ). Damit hat sich die Schola Cantorum Basiliensis in diesen Tagen nicht nur als erstklassige Ausbildungs- und Lehrstätte hervorragender Musiker bewiesen, nicht nur als innovatives und vielseitiges Forschungsinstitut, das neben dem Quellenstudium auch Instrumente nachbaut, sondern auch als exzellenter Veranstalter präsentiert, dessen international anerkannter Ruf auch das heimische Publikum anzuziehen vermag.