von Christian Fluri
Die Freunde Alter Musik fördern mit Sonderkonzerten exzellente junge Ensembles.
Jede Saison erhalten zwei Ensembles mit Alumni oder Studierenden der Schola Cantorum Basiliensis ein Konzert bei den Freunden Alter Musik Basel (FAMB). Für diesen November wurden im internen Wettbewerb der Schola das Bläserquintett Respiratio und das vierköpfige Ensemble The Levee ausgewählt. Carlos Federico Sepülveda, Mitglied der Schola-Leitung und künstlerischer Leiter der FAMB, erklärt, dass ein FAMB-Konzert jungen Ensembles eine Plattform biete, um sich einem Kenner- Publikum zu präsentieren. Das öffne ihnen in ihrer Karriere möglicherweise weitere Türen.
Romantik im Originalklang
Respiratio mit Tommaso Simonetta Sandri (Traversflöte), Mei Kamikawa (Oboe), Claudia Reyes (Klarinette), Andres Sänchez (Horn) und Angel Alvarez (Fagott) fokussiert sein Repertoire auf die Zeit der Klassik und Romantik, dieser Blütezeit der Bläserquintette. Das 2021 gegründete Ensemble weist bereits einige Erfolge auf - auch an internationalen Wettbewerben. Im Konzert «Convergent Winds» stellt Respiratio Stücke Anton Reichas, «des Vaters dieser Gattung», wie Alvarez betont, Quintetten von Franz Danzi gegenüber, der diese wiederum Reicha gewidmet hat. «Respiratio forscht nach dem sich durch Wärme und Prägnanz auszeichnenden Originalklang», so Alvarez. Die Fünf spielen auf originalen Instrumenten oder Kopien von diesen. Am Konzert erklingt zudem ein Potpourri nach Rossinis Oper «Guillaume Teil», das mit bekannten Melodien punkten wird. Alvarez schuf es als Masterarbeit ganz im Geist der blühenden Kammermusik im 19. Jahrhundert.
Grosse Neuentdeckung
Auch das Quartett The Levée, benannt nach dem gleichnamigen barocken Gemälde aus William Hogarths Zyklus «A Rake’s Progress», konnte bereits an internationalen Wettbewerben Erfolge feiern. Marguerite Wassermann (Violine), Josef Laming (Cembalo), Niels Pfeffer (Theorbe) und Martin Jantzen (Gambe) gründeten ihr Ensemble 2023. Auslöser war, dass Wassermann als Masterarbeit die erste kritische Ausgabe der sieben Violinsonaten des Franzosen Denis Delair (1662-1736) herausgegeben hatte. The Levee spielte diese einzigartigen Kompositionen erstmals farbenreich und ausdrucksstark als CD ein und veröffentlichte sie dieses Jahr.
Im Konzert «Acompagnemens Extraordinaires» stellt The Levée Delair in den Kontext seiner Zeitgenossen. Das Ensemble spielt im Wechsel mit Delair je eine Sonate von Elisabeth Jacquet de la Guerre, Arcangelo Corelli und Michele Mascitti. Delair und die anderen drei stehen für eine Musik, «die zwischen nationalen Stilen liegt und diese immer auch überschreitet», wie Josef Laming erzählt. Dieses Pendeln zwischen französischem und italienischem Stil macht das Ensemble in prägnantem, lebendigem Spiel hörbar.