Saison
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Liebe Freundinnen und Freunde der Alten Musik!

Wie lässt sich Musik vergangener Jahrhunderte heute hören – als etwas Entferntes oder als unmittelbare Erfahrung? Und was geschieht, wenn wir ihr nicht nur als historischem Objekt begegnen, sondern als lebendiger Kunstform im Hier und Jetzt?

Mit diesen Fragen laden wir Sie herzlich zur Saison 2026/27 ein. Sie entfaltet sich als dramaturgisch gedachte Folge von Konzerten, in der Musik nicht als lineare Abfolge von Epochen erscheint, sondern als Geflecht von Beziehungen, Brüchen und Wiederan­eignungen. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit ­historischen Klangwelten – nicht als Rekonstruktion im engeren Sinne, sondern als gegenwärtige Praxis, die Differenz sichtbar macht und zugleich Verbindungen eröffnet.

Den Ausgangspunkt bildet Konzert 1, das Musiktheater Oidipous Tyrannos mit dem Ensemble Melpomen in Zusammenarbeit mit Armonía Danza. Antikes Drama, rekonstruierte Klangvor­stellungen und Renaissance-Vertonung treten hier in ein vielschichtiges Verhältnis. Gesang, Sprache und Instrumentalklang verbinden sich mit Tanz und machen den Saisonauftakt zu einem bewusst ­körperlich gedachten Ereignis. Mit Jürg Kienberger als Sprecher gewinnt das Projekt eine zusätzliche performative Dimension und formuliert programmatisch den Anspruch der Saison, historische Schichten in ihrer Gleichzeitigkeit erfahrbar zu machen.

Mit Konzert 2 – Alltid densamme, gestaltet von Deda Cristina Colonna gemeinsam mit Mara Galassi und Gala Di Benedetto, rückt die künstlerische Auseinandersetzung mit historischen Selbstent­würfen in den Fokus. Die Figur Christina von Schweden erscheint in einem Geflecht aus Text, Musik und performativer Präsenz und eröffnet einen vielschichtigen Blick auf Fragen von Identität, Macht und Inszenierung. Ein besonderer Anlass ist zudem unser erstmaliges Gastspiel im Gare du Nord, über das wir uns sehr freuen. Aufgrund der besonderen ­räumlichen Situation im Gare du Nord wird dieses Konzert in zwei Vorstellungen angeboten: 12.15 Uhr und 19.30 Uhr.

Konzert 3 – Beethoven: Vision Neunte vereint die Schola Cantorum Basiliensis, die Juilliard School, das Institut Klassik der Hochschule für Musik Basel sowie die Chorakademie Freiburg zu einem gross angelegten Projekt, das historische Auf­führungspraxis, Forschung und kollektives Musizieren miteinander verbindet und überlieferte Interpretationsmodelle kritisch befragt.

Mit Konzert 4 – Diaspora eröffnet das Ensemble Sete Lágrimas den Blick über Europa hinaus: Musikalische Austauschprozesse werden als lebendige Verflechtungen erfahrbar und stellen feste kulturelle Grenzen in Frage. Diaspora begann 2008, wurde 2011 und 2012 weitergeführt und setzt seine Entdeckungsreise fort.

Konzert 5 – Inter lacrimas gaude mit dem Ensemble El Gran Teatro del Mundo, Jone Martínez und Lisandro Abadie lässt die glanzvolle Klangwelt des französischen Grand Siècle lebendig werden. Unter der Leitung von Julio Caballero entfaltet sich ein farbenreiches Spiel aus Eleganz, Dramatik und berührender Ausdruckskraft.

Den Abschluss bildet Konzert 6 – Manifest mit der Mezzosopranistin Lea Desandre und dem Ensemble Jupiter unter der Leitung von Thomas Dunford. Das Programm zu den ambivalenten Frauenfiguren der Barockoper bündelt zentrale Fragestellungen der Saison, insbesondere das Verhältnis von Darstellung und Ausdruck, und findet in der auf dem Saisonprogramm abgebildeten Lea Desandre eine prägnante künstlerische Entsprechung, die derzeit zu den gefragtesten Künstlerinnen ihres Fachs zählt.

Ergänzt wird die Saison durch zwei Sonderkonzerte mit freiem Eintritt: Sonderkonzert 1 – Bound to Nothing mit dem Ensemble Rýnský widmet sich dem Stylus Phantasticus des 17. Jahrhunderts und seiner aussergewöhnlichen gestalterischen Freiheit.

Sonderkonzert 2 – Fortuna, will you spare us? mit dem Ensemble Pampinea stellt die Offenheit und Unvorhersehbarkeit musikalischer Form ins Zentrum und bezieht das Publikum aktiv in die Dramaturgie ein.

Wir laden Sie ein, diese Konzertreihe als zusammenhängende künst­lerische Erfahrung zu begleiten, und würden uns freuen, wenn Sie die Saison im Abonnement verfolgen und so über die gesamte Spielzeit hinweg Teil dieses Dialogs werden – sei es als vertrautes Publikum oder als neu Hinzukommende.

 

Mit herzlichen Grüssen,

Claudia Schärli    Carlos Federico Sepúlveda
 

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